Valeo FTE Mühlhausen

IG Metall und Management schließen Zukunftstarifvertrag. 35 Stundenwoche und Investitionen, statt Schließung und Standortaufgabe

  • 20.08.2021
  • Aktuelles

Mit dem Auslaufen der Erklärungsfrist für den Zukunftstarifvertrag bei der VALEO/FTE Möve in Mühlhausen kommt es erstmals zu einer Tarifbindung am Standort des Kupplungs- und Bremsleitungsherstellers.

Teile der Tarifkommission beim Tarifauftakt Anfang des Jahres in Mühlhausen.

Im Grundsatz hat das Werk vor dem Aus gestanden. Mit einer Abhängigkeit von beinahe 100% vom Verbrenner ist die Frage gewesen: Wann wird geschlossen? IG Metall und Betriebsrat wollten das nicht tatenlos über sich ergehen lassen. Agieren statt reagieren sollte das Handeln bestimmen. Die Belegschaft musste ins Boot geholt werden. Zukunft statt Entlassungen ist das Thema im Betrieb geworden.

Sven Meyer, Betriebsratsvorsitzender, erinnert sich noch an Zeiten, als die alte Geschäftsleitung den Verzicht predigte und Arbeitsplatzabbau in den Vordergrund stellte. „Mit der IG Metall haben wir einen neuen Kurs eingeschlagen. Wir wollten nach vorne schauen und unseren Wert mitbestimmen. Da entstand die Forderung 'Tarifniveau ist unser Niveau' , die unser weiteres Handeln bestimmte. Wir wollten den Standort tariflich abgesichert sehen. Gelingt dies nicht, sollte es in Richtung Sozialtarifvertrag gehen. Welches Ziel letztendlich erreicht werden wird, war also eine Frage des Kräfteverhältnisses. Wir wollten auf Augenhöhe über unsere Zukunft mitentscheiden“.

Zwischen Werkleiter Herrn Schäfer-Martini und IG Metall Verhandlungsführer Bernd Spitzbarth prallten Interessen aufeinander, die gute Lösungen statt öffentliche Ausstände bevorzugten. Standortinvestitionen, tarifvertragliche Beschäftigung und Beschäftigungssicherung verlangten kluge Lösungen. Diese wurden innerhalb eines Verhandlungszeitraum von fast einem Jahr gefunden. Jetzt laufen die Umbauten für die Maschinen und Anlagen auf dem ein neues, zukunftsfähiges Produkt produziert wird. Mit Altersübergangsregelungen und der Einführung der 35-Stunden-Woche zum 1. Januar 2022 sowie eines Freiwilligenprogramms wurde der erforderliche Personalabbau stark reduziert bzw. weit in den Hintergrund gerückt. Für rund 90% der Belegschaft sind nun betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2024 ausgeschlossen.

Auch Werkleiter Schäfer-Martini sieht mit dem Abschluss zuversichtlich in die Zukunft. „Der Haustarifvertrag ist nach finaler Zeichnung durch die Geschäftsführung und Werkleitung Ende August 2021 für die Arbeitnehmer*innen bei der FTE automotive Möve GmbH ein sehr wichtiger Meilenstein, der die Zukunft des Werkes positiv beeinflussen wird, und er stellt für Valeo die Basis für die positive Entscheidung zur Industrialisierung einer neuen Produktlinie in Mühlhausen dar. Bereits Ende 2021 sollen die neuen Anlagen vom Kunden Renault abgenommen werden, um in 2022 die Serienproduktion zu starten“.

Bernd Spitzbarth erster Bevollmächtigter der IG Metall in Nordthüringen betont: „Dass es gelungen ist, ein zukunftsfähiges Produkt nach Mühlhausen zu holen, gleichzeitig eine Tarifbindung herzustellen, Standort- und Beschäftigung zu sichern, Entgeltsteigerungen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld in den kommenden Jahren zu vereinbaren, ist ein toller Erfolg für die Menschen und den Standort Mühlhausen. Ein Erfolg der durch zwei wesentlichen Faktoren geprägt war: Menschen, die statt aufzugeben Lösungen wollten und dafür bereit waren, auch zu kämpfen. Nicht unerwähnt dabei soll bleiben, dass auch der Werkleiter, Herr Schäfer-Martini, die Priorität im Erhalt des Standortes gesehen hat. Das findet man in ostdeutschen verlängerten Werkbänken heute nur selten", sagt Spitzbarth abschließend.